2 - Das Offensichtliche erkennen

Als ich im August 2017 wenige Tage nach meinem Bildhauerkurs den Konferenzraum der SHORT CUTS GmbH in Berlin Kreuzberg betrat, fiel mir gleich eine wunderschöne Holzskulptur ins Auge, ein senkrecht aufgestellter Holzbalken, aus dem auf Augenhöhe ein Stier grob herausgeschnitzt ist, so als stünde er darauf. Ich war hin und weg. 

 

Eigentlich hatte ich einen Termin, um mein Homepagekonzept zu besprechen, an dem ich viele Wochen gearbeitet hatte und mit dessen Umsetzung ich diese kreativen Menschen dort beauftragen wollte. Die Idee war gewesen, alles, was ich jemals gemacht habe, Künstlerin, Autorin und Coach, zusammenzubringen und als drei Säulen gemeinsam anzubieten.

Der Stier in der Ecke brachte mich aus dem Konzept. Im Nachhinein betrachtet war es der erste deutliche Hinweis von mehreren, die an diesem Tag folgten. 

 

Der zweite war das Gespräch mit den beiden Art-Directors, die mir schnell verdeutlichten, dass jedes für sich eine schöne Idee sei, jedoch nicht zusammen. Ich wusste sofort, dass sie Recht hatten. Dennoch saß ich kurz danach im Auto, zutiefst beeindruckt von dieser tollen Firma auf der einen Seite und innerlich völlig verwirrt auf er anderen. Das Gefühl, dass sich meine Arbeit von Monaten in Sekunden in Nichts aufgelöst hatte, ließ den Boden unter meinen Füßen schwinden. Ich rief meine Freundin Elke an und überfiel sie mit meinen ungeordneten Gedanken. Sie half mir, mich schnell zu ordnen und zu sehen, dass es eine sehr wichtige Erfahrung gewesen war mit sehr wertvollen Informationen für mein weiteres Vorgehen. Stimmt, sagte ich, eigentlich will ich momentan einfach nur Steine behauen. Wie wäre es denn, wenn du Dir erlauben würdest eine Künstlerin zu sein? Ihre Frage schien etwas völlig Unmögliches zu berühren. Das war der dritte Hinweis.

 

Wieder mit mir allein wanderten meine Gedanken zu den vergangenen Monaten. Seit Februar hatte ich nebenbei begonnen, all meine künstlerischen Arbeiten, die ich noch habe, zu ordnen, zu fotografieren und ein Verzeichnis darüber anzulegen. Oft hatte ich mich gefragt, wozu das eigentlich gut sein soll, war jedoch meinem Gefühl weiter gefolgt, weil es mich zutiefst zufrieden machte.

 

Abends erzählte ich Markus, meinem wundervollen Ehemann, von meiner Erfahrung am Vormittag bei SHORT CUTS, von dem Gespräch mit Elke, meinen Gedanken zu den letzten Monaten und fiel aus allen Wolken, als er sich so gar nicht wunderte. Hinweis Nummer vier. Für ihn war es gar keine Frage mehr, dass es darum ging, der Künstlerin in mir eine Chance zu geben. Er erzählte mir von freien Räumen in dem Gebäude, in dem er arbeitet und schlug mir vor, dort ein Atelier einzurichten. Ich war sprachlos. Die Selbstverständlichkeit, mit der er davon sprach schenkte dem Teil in mir, der es im Stillen selber wusste und sich schon lange wünschte, den Mut, sich dafür zu entscheiden. 

 

Von da an nahm alles seinen Lauf. Egal, wem ich davon erzählte, der wunderte sich kein bisschen. Es schien für alle schon lange offensichtlich gewesen zu sein, dass dies mein Weg ist. 

Es hieß, ich könne das Atelier zum 1. November 2017 beziehen, also begann ich, alles an Arbeitsmaterialen, Werkzeug etc. aus Schränken und Ecken zu holen und im Keller zusammenzustellen. Ich staunte, wie viel da zusammen kam. Ein Sturm entwurzelte kurz danach die alte Linde nicht weit von unserem Haus entfernt, die, wie sich zeigte bereits hohl war, so dass ich mir wunderschöne große Holzstücke sichern konnte. Ich wollte endlich loslegen.

 

Am 1. Dezember, neun Monate nachdem mein verstorbener Freund mir die Frage gestellt hatte, ob der Weg des Künstlers nicht der eigentliche Weg für mich sei, war mein Atelier Wirklichkeit geworden.

 

Im Rückblick kann ich sagen, dass ich mich mit allem, womit ich mich seit April 2015 beschäftigt habe, allen Planungen und Verwerfungen, Konzepten und Ideen, zähen und fließenden inneren Prozessen, genau darauf zubewegt habe. Während ich in meinem Kopf noch Vorstellungen davon hatte, was ich tun müsste, hat sich das, was ich tun möchte, seinen Weg gebahnt. Es ist das, was sich immer schon richtig angefühlt hat und womit ich am glücklichsten bin. Keine einzige Phase dürfte fehlen.

An dieser Stelle möchte ich allen wunderbaren Menschen in meinem Leben, die mich bei diesem Entwicklungsprozess unterstützt haben, herzlichen Dank sagen. Besonders meinem Mann, der mir das alles überhaupt erst ermöglicht hat. 

Du bist der Beste!

 

Bis zum nächsten Mal,

herzlichst,

 

Petra Froese

 

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Kommentare: 1
  • #1

    Elke Anna (Dienstag, 12 Juni 2018 16:25)

    Liebe Petra, ich gratuliere Dir zu allen Entscheidungen und bin sehr gespannt auf alles, was Du in Zukunft noch erschaffen wirst und erfreue mich an dem, was Du bereits erschaffen hast. Großes LIKE von mir. Alles Liebe, Elke Anna.