7 - 2018 > 2019

 ‚Dieses Jahr war kein leichtes‘, das habe ich von vielen Menschen gehört in den letzten Wochen. Und auch die Sätze ‚Die Zeit ist so schnell verflogen‘ oder ‚Ich habe es nicht geschafft, zu entschleunigen‘. Die Gründe mögen vielfältig sein, individuell, gesellschaftlich oder auch kosmisch; wissen wir doch längst, dass Sterne unser Leben beeinflussen. Es scheint eine Tatsache zu sein, dass wir in einer schnellen Zeit leben. Aufgrund der digitalen Möglichkeiten ist vieles gleichzeitig erreichbar und verfügbar geworden, das uns bestürmt und verleitet, so dass wir häufig gar nicht bemerken, wie wir auf den Zug aufspringen und mal eben noch dies und mal eben noch das unterzubringen versuchen. Die Welt ist geschrumpft auf den Bildschirm eines Smartphones, das wie durch ein Schlüsselloch den Blick freigibt in ein unendliches, unermessliches Universum von Angeboten.

 

Beobachte ich unseren einjährigen Enkel, dann sehe ich sehr deutlich, dass wir im Vergleich in einem Konzept von Zeit gefangen zu sein scheinen. Er lebt voller Freude im Hier und Jetzt, in dem nur das existiert, was unmittelbar um ihn herum da ist und geschieht. Er betrachtet alles mit frischen, neugierigen Augen, probiert aus, lernt. Noch hat er von nichts ein Konzept und ich wünsche ihm, dass er diesen Zustand lange auskosten darf. 

 

Natürlich, könnten wir anmerken, ist gut für ihn gesorgt, er muss sich um nichts Gedanken machen, keine Entscheidungen treffen oder Verantwortung übernehmen. Das stimmt. Und doch spüre ich, in den Stunden, die ich mit ihm bin, wie ich mich anstecken lasse, so dass alles andere für ein Weilchen in den Hintergrund tritt. Nur dem, was gerade ist, wieder meine volle Aufmerksamkeit zu schenken, entspannt. Und es wirkt nach und regt meine Gedanken an, so wie jetzt, weckt wieder mein Bewusstsein dafür, dass das Hier und Jetzt immer da ist, unmittelbar erfahrbar, ein Geschenk.

 

Wir sollten uns jedoch keinen Druck machen. Wir leben nun mal in dieser Zeit. Und wenn wir es nicht immer schaffen, zu entschleunigen, so können wir zumindest versuchen, die kleinen Momente zu schnappen, die das Leben uns mitten im Trubel schenkt. Sei es, eine Minute innezuhalten, wenn durch einen wolkenverhangenen Himmel das Licht durchbricht, oder einer schönen Musik im Auto zu Ende zu lauschen, wenn wir schon vor dem Supermarkt geparkt haben. Und vor allem, gnädig mit uns selbst sein! Der Druck von außen ist schon groß genug.

 

In diesem Sinne, wünsche ich uns einen leichten Abschied vom schwierigen Jahr. Dass wir voller Vertrauen und beherzt unsere Schritte auf den unberührten Boden des neuen Zeitabschnitts setzen können, einen nach dem anderen, ganz bewusst, in unserer Zeit und unserer Geschwindigkeit, den Blick auf das Wesentliche gerichtet, den Mut, auch mal abzuwarten, was sich zeigen möchte und mit viel Nachsicht, wenn es nicht immer gelingt. Ich hörte gestern irgendwo: Jeder tut, was er kann, der Rest ist Schicksal. Das hat mir gefallen.

 

Herzlichst,

Petra

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Micky (Montag, 31 Dezember 2018 11:43)

    Mal wieder super schön geschrieben, ich versuche einige Dinge um zu setzen für mich ⭐️ Für dich und deine Familie ein tolles 2019 . Ich hoffe , im Hier und Jetzt ❤️ Deine Micky

  • #2

    Petra Reinholz (Montag, 31 Dezember 2018 12:00)

    Liebe Petra,du sprichst mir aus dem Herzen.

  • #3

    Peggy (Montag, 31 Dezember 2018 15:58)

    Das sind schöne Gedanken die einen berühren. Schön das ich dich kenne. Ich wünsche dir auch ein besinnliches Jahr.und deinen Lieben

  • #4

    Dagmar (Montag, 31 Dezember 2018 16:36)

    Liebe Petra,
    du triffst es auf den Punkt!
    Eine ältere Dame sagte einmal zu mir: „Sie sind noch so jung und haben alle Zeit der Welt. Doch je älter man wird, um so schneller vergeht die Zeit.“ Damals, gerade 20, dachte ich: „ So ein Unsinn! Zeit ist ein feststehender Begriff, sie kann gar nicht schneller oder langsamer gehen.“ Was ich damals nicht bedachte waren die eigenen Empfindungen.
    Eine andere Dame fragte ich am Tag ihres Geburtstags: „83 Jahre! Wenn Sie zurück denken, war das eine lange oder kurze Zeit?“ Sie überlegte kurz und antwortete: „Das war eine verdammt kurze Zeit.“
    Unsere Enkel haben noch alle Zeit der Welt. Das, was wir erlebt haben, müssen/ können sie noch erfahren. Das in einer Unbedarftheit, die uns in inserem Erlebnispäckchen mittlerweile fehlt.
    Entschleunigen, das Päckchen genießen und mit schönen Sachen zu füllen, sich an vielen Kleinigkeiten zu erfreuen, dazu muss man für sich kommen.

    Dir und deiner Familie wünsche ich ein wunderschönes 2019
    Genieße die Zeit mit deinem unbeschwerten Enkel �

  • #5

    Pietro (Montag, 31 Dezember 2018 17:06)

    Danke für Deine Gedanken. Was für mich dieses Jahr auch sehr schwer macht, das sind die Nazis die immer mehr öffentlichen Raum besetzen, Aggression als legitime Art der Kommunikation etablieren. Und den Hass auf andere als normal etablieren wollen. Hier gelten unsere Regeln. Oder: Todesstrafe für Kinderschänder. Alltagsaufkleber. Die machen mir Angst und traurig.
    Ich wünsche mir weiter in einer freien Gesellschaft zu leben. Ich glaube, das braucht Angagament.
    Cordiali saluti a tutti

  • #6

    Anja Lotter (Montag, 31 Dezember 2018 19:24)

    Liebe Petra,
    Du bist ein Engel �
    Danke, dass du in mein Leben gekommen bist �
    Künstlerin, Poetin und „Taffe“, Herzliche Powerfrau